Die Idee Zum Buch

Auf meinem Schreibtisch steht ein kleiner Globus aus Pappe. Es genügt, ihn ganz leicht zu streifen, schon fällt er um. Vor ein paar Jahren habe ihn in einem Ramschladen auf dem Tisch für Schreibmaterial gefunden und schon damals war der kleine Globus wenig ansehnlich. Heute, ein paar Stürze von meinem Schreibtisch später, ist die afrikanische Landmasse bis zur Unleserlichkeit zerkratzt und Russland ist eingedrückt, als habe jemand versucht, den Globus wie ein Osterei aufzuschlagen.

Und trotzdem erweist sich der kleine Globus immer wieder als großer Helfer: Nämlich, wenn meine Kreativität die Koffer gepackt und sich eine Auszeit gegönnt hat. Dann drehe ich den Globus oder lasse meinen Finger auf der Suche nach Inspiration von Hong Kong über Kunming nach Peking wandern, während ich in Reiseerinnerungen schwelge. Zwei Dinge, die ich während der Arbeit an meinem »bald-Buch« Die Roten Schuhe unzählige Male getan habe.

Und das bringt mich zu der Frage, die ich in diesem Text eigentlich beantworten soll. Wie kam es überhaupt zu der Geschichte? Wie und wo findet man als Autor seine Ideen? Die Frage nach dem Wo lässt sich leicht beantworten: Auf den Stufen der Chinesischen Mauer außerhalb Pekings. Da lag sie, meine Geschichte, und ich musste sie nur noch vom Boden heben. Das Wie erfordert ein paar mehr Zeilen:

Vor zwei Jahren verbrachte ich ein Auslandsstudienjahr in Hong Kong. Bevor es losging, erklärte mir eine Freundin, Hong Kong sei nicht sehens-, dafür absolut erlebenswert, und genauso war es. Ein Jahr voller neuer Eindrücke und fremder Gerüche, voller Suppenküchen und Dim Sum-abende … Um mich gebührend zu verabschieden, brach ich am Ende meines Auslandsjahres zu einer Reise auf: Ein Monat in China, 12 Städte, noch mehr Abenteuer.

Seit Jahren schreibe ich Geschichten und natürlich hörte ich auch während meiner Reisezeit nicht damit auf. Laptop hatte ich keinen dabei, also füllte ich ein Notizbuch, und als mir die Seiten ausgingen, wich ich auf die Rückseite von Stadtplänen, Post-Its und was immer ich sonst noch an Papier zwischen die Finger bekam, aus. Dabei entstand eine Fülle von Texten, die mit meiner Zeit in China jedoch gar nichts zu tun hatten. Hauptsächlich schrieb ich an einer längeren Geschichte, die (Ironie?) bei mir zuhause in Tirol angesiedelt war.

Und dann kam die Chinesische Mauer und mit ihr die Idee. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich dort spazierte und mich plötzlich ein Gefühl packte, das ich am besten mit dem Wort WOW beschreibe. Jeder, der schon mal länger im Ausland unterwegs war, weiß, was ich damit meine. Wie oft hatte ich die Chinesische Mauer im Fernsehen gesehen oder darüber gelesen. Und jetzt war ich hier! Das Wow-Gefühl wurde allerdings viel zu schnell davon abgelöst, dass ich mir ein bisschen blöd vorkam. Wieso war ich nicht eher auf die Idee gekommen, meine Reise als Inspiration zu nutzen?

Ein Reisetagebuch wollte ich nicht verfassen. Genauso wenig eine Autobiographie. Warum aber nicht imaginäre Charaktere an die Orte schicken, die mich selbst so fasziniert haben? Sobald ich diesen Gedanken zuließ, sprudelten die Ideen, und noch auf der chinesischen Mauer kritzelte ich die ersten Stichworte auf die Notiz-Seiten meines Reiseführers. Die Reiseroute stand von Anfang an fest. Eine verkürzte Version meiner eigenen sollte es sein und natürlich würde Hong Kong als erstes Ziel einen ganz besonderen Platz bekommen. Eine grobe Skizzierung meiner zwei Hauptfiguren, Elisa und Noah, findet sich ebenfalls zwischen den ersten Stichworten:

Elisa: Rote Haare, rote Schuhe, launisch, wollte sich umbringen; Noah: nervig aber nett und sehr (!!) neugierig.

Ich geb’s zu, besonders ausgereift war das noch nicht, doch dass ich die Geschichte eines Tages (mit Hilfe meines Inspirations-Globus) fertigstellen würde, davon war ich schon im Bus zurück in mein Pekinger Hostel überzeugt.


Die Reise in Bildern

Diesen Beitrag habe ich 2018 als Teil einer Werkstattbericht-Reihe für den astikos-Verlag geschrieben. Den original-Beitrag findet ihr HIER:

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