Werkstattberichte

Im Zuge der Veröffentlichung von Farbe auf Beton im Februar 2018 haben das Team von astikos und ich eine Reihe an Werkstatterichten verfasst, in denen wir alle Schritte von der Idee zum Buch bis zur Veröffentlichung beschrieben haben. Hier könnt ihr lesen, wie ich den Verlag damals gefunden hab und wie ich das Lektorat (mein erstes, richtiges Lektorat!) erlebt habte.

Wenn ihr mehr über den Prozess – Lektorat, Korrektorat, Projektarbeit – aus der Sicht des gesamten „Buch-Teams“ lesen möchtet, findet ihr weitere Blogbeiträge auf astikos.de. Übrigens: Farbe auf Beton habe ich unter dem Arbeitstitel „Die Roten Schuhe“ geschrieben. Also nicht wundern, wenn das Buch in den Beiträgen plötzlich einen anderen Namen hat 🙂

Verlagssuche – „Wie ich astikos gefunden habe“

Das Schwerste am Schreiben ist (zumindest für mich) nicht, die richtige Idee zu finden oder Sätze zu formulieren. Das Schwerste ist es, sich jeden Tag vor den Laptop zu setzen, den Verlockungen von Katzenvideos auf Youtube zu widerstehen und tatsächlich zu schreiben. Hat man es dann tatsächlich geschafft, seine Geschichte fertigzustellen, steht man vor der nächsten Herausforderung: Was mache ich mit meinem Geschreibsel jetzt?

Meine Recherche rund um Veröffentlichungsmöglichkeiten war ziemlich frustrierend. Kurz zusammengefasst: Bei großen Verlagen braucht man es gar nicht erst zu versuchen, da diese ausschließlich mit Agenturen zusammenarbeiten. Eine Agentur zu finden ist möglich, aber beinahe ebenso schwierig, wie einen Verlag für sich zu gewinnen – und selbst dann ist eine Veröffentlichung nicht garantiert. Kleinverlage haben für gewöhnlich keine freien Programmplätze. Bleibt, es mit Self-Publishing zu versuchen. Das ist allerdings, sofern man es professionell angeht, ungeheuer viel Arbeit und teuer.

Ganz schön knifflig, sich bei all diesen verlockenden Möglichkeiten für die beste Variante zu entscheiden. Mein Plan A sah vor, mein Exposé an eine Handvoll Agenturen zu schicken. An dieser Stelle sollte ich anmerken, dass Exposé schreiben auf meiner Liste an Lieblingsaktivitäten in etwa auf einer Stufe mit Bügeln und Gartenarbeit steht: Dauert lange, macht keinen Spaß und das Ergebnis ist … na ja. Mühe gegeben habe ich mir schon. 300 Seiten an Geschichte inkl. Charakterbeschreibung und Pitch auf 1–2 Seiten zusammenzufassen, ist allerdings eine Wissenschaft für sich.

Der Erfolg bei meiner Agentursuche war dementsprechend nicht vorhanden und beinahe wäre meine Geschichte in den ewigen Jagdgründen meines Rechners verschwunden. Wäre ich nicht auf astikos gestoßen.

astikos hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben: Text and the City/ Geschichten über deine Lieblingsstadt. Wunderbar, dachte ich mir, denn eine Chance, über meine Zeit in Hong Kong zu schreiben, wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Meine Wettbewerbs-Geschichte hat es übrigens nicht ins Finale geschafft – dafür hatte ich eine neue Idee. Nämlich, meinen Roman an astikos zu schicken.

Zuvor hatte ich mich durch die Webseite geklickt und dort unter den Stichpunkten »urban schreiben« und »Verlag neu denken« von urbanem Leben, neuen Konzepten und offenen Texten gelesen. »Hast du Texte, von denen du glaubst, dass sie in dieses Raster hinein passen? Dann her damit! Du weißt nicht, was wir damit meinen?«, stand da und ehrlich gesagt wusste ich das tatsächlich nicht so richtig. Trotzdem gefiel mir das Konzept auf Anhieb. Die Möglichkeit, Neues auszuprobieren? Texte aller Genres und die Zusammenarbeit mit einer Gruppe Leuten, denen es in erster Linie um ihre Freude an Geschichten geht? All das klang für mich ziemlich verlockend.

Zwischen meinem ersten online-Kontakt mit astikos und dem Tag, an dem ich auf gut Glück mein Exposé samt Leseprobe einsendete, vergingen weitere Wochen, und ehrlich gesagt rechnete ich mir geringe Chancen aus. So richtig urban ist meine Geschichte über zwei Fremde, die gemeinsam durch’s ländliche China reisen schließlich nicht. Trotzdem meldete sich wenig später einer der astiküsse, Jannis, bei mir und bat mich um das gesamte Manuskript. Weitere 1,5 Monate später bekam ich die nächste Mail. Jannis hatte den Roman mittlerweile zu Ende gelesen und fragte, ob ich das »nach wie vor mit astikos machen« wollte. Natürlich wollte ich das! Und so kommt es, dass ich heute diese Zeilen schreibe und dass meine Geschichte bald mehr sein wird als eine vergessene Datei auf meinem Computer.

Den Originalbeitrag findet ihr HIER:

Lektorat – „Es ist deine Geschichte“

Zwischen der Buchidee und dem fertigen Werk liegen einige Schritte. Da wären Recherche und Plotting, Schreiben (natürlich) und korrigieren … Der erste Schritt in meiner Zusammenarbeit mit astikos war das Lektorat. Dabei wird der Text auf inhaltliche Schwachstellen, Logiklücken, stilistische Blüten usw. hin untersucht und die Textqualität wird verbessert. Klar werden auch Flüchtigkeitsfehler – z. B. Tippfehler, vergessene Kommata – angemerkt, im Fokus stehen aber Inhalt und Schreibstil.

Ich hatte schon früher mit Hobby-Probelesern zusammengearbeitet und dabei die unterschiedlichsten »Kritiker-Typen« kennengelernt. Vom überkritischen Leser, der in jedem Satz drei »ganz schreckliche Schwachstellen« findet, über wirklich kompetente Probeleser bis hin zum Lobhudler, der eigentlich gar nicht kritisieren, sondern nur Nettes über die Geschichte sagen will, war alles dabei. Dementsprechend gespannt war ich, wie und vor allem auf welche Art die Rückmeldung meines Lektors Jannis ausfallen würde.

 Was mich überraschte, war, wie offen Jannis‘ Verbesserungsvorschläge ausfielen. Soll heißen: Er merkte an, was ihm missfiel, hatte Ideen, wie man Szenen besser machen könnte … hielt sich aber mit Detailvorgaben zurück. »Es ist deine Geschichte«, meinte er und überließ es mir, Sätze zu formulieren und zu entscheiden, wie genau ich Änderungsvorschläge umsetzen wollte, was im Detail gekürzt oder hinzugefügt werden sollte. Ich merkte sofort, dass ich mit dieser Art des Lektorats wunderbar arbeiten konnte. Denn trotz aller Änderungsvorschläge war und blieb die Geschichte voll und ganz meine und die zwei Protagonisten, Elisa und Noah, sowie deren Reiseabenteuer und Lebensgeschichten durften bleiben, wie sie waren.

Insgesamt lassen sich die Änderungen in drei »Baustellen« unterteilen:

  • Zu viele / zu lange Dialoge
  • Teils hochgestochene Formulierung (vor allem, wenn die Geschichte aus Noahs Sicht beschrieben wird – was soll ich sagen, er ist halt einfach ein Meister des gestelzten Erzählstils)
  • Und die Lieblingsaufgabe jedes Schreiberlings: Kürzen

Nachdem ich die Geschichte fertig überarbeitet hatte, schickte ich sie an Jannis zurück – und bekam sie einige Zeit später mit neuen Anmerkungen zurück. Dieses Hin und Her ging über 3 Phasen. Am Ende hatte ich den Anfang umgeschrieben, einige Szenen ergänzt und trotzdem fast 50 Normseiten weniger als zu Beginn.

Das Lektorat ist mittlerweile beendet und die Geschichte erhält gerade beim Korrektorat den letzten Feinschliff.

Den Originalbeitrag findet ihr HIER.

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